Buchempfehlung: „Schwarzbuch Öl“

Genauso wie in jedem Krimi, gilt es auch auf dem Gebiet der Geschichte immer die Frage nach dem Motiv zu beantworten: Warum ist etwas so geschehen, wie es geschehen ist? Viele kluge Menschen haben sich mit der Frage nach dem Warum in der Geschichte beschäftigt und sind zu den unterschiedlichsten Ergebnissen gekommen – je nachdem, welche Aspekte beleuchtet wurden: z.B. meteorologische oder medizinische. ;-)

In dem „Schwarzbuch Öl“ von Thomas Seifert und Klaus Werner wird dasselbe getan, allerdings aus der Perspektive der Ressource Erdöl. Es schildert die Interessen der großen Ölkonsumenten dieser Welt hinter den mal offen, mal versteckt ausgetragenen Staatsstreichen und Konflikten der letzten hundert Jahre auf nachvollziehbare Art und Weise. Dabei kommt ein Großteil dieser Schilderung den Zusammenhängen hinter der ganz aktuellen Geschichte zu: dem Tschetschenien-Konflikt, dem Bürgerkrieg im Sudan, dem 2.Golfkrieg, dem Prozeß um den russischen Oligarchen Michail Chodorkowski, dem verhinderten Putschversuch in Äquatorial-Guinea im Jahr 2004 usw. Es skizziert dabei die Beschaffungskriminalität unserer ölsüchtigen Welt in allen Facetten und greift dabei auch die Machenschaften privater Sicherheitsfirmen (Söldner) und der Waffenindustrie, die entstandenen Umweltsünden und die Menschenrechtsverletzungen in den ölproduzierenden Ländern auf. Interessanterweise kristallisiert sich im Laufe der Lektüre des Buches Mitleid mit den ölproduzierenden Staaten heraus, denen das Öl meist eher Fluch als Segen ist. So wird u.a. Prof. Paul Collier von der Oxford University zitiert, der das Bürgerkriegsrisiko in Entwicklungsländern wie folgt beziffert hat:

  • in einem durchschnittlichen Entwicklungsland: 14%
  • in einem Entwicklungsland, dessen Wirtschaft zu mehr als 30% von Rohstoffexporten abhängig ist: 22%
  • in einem Entwicklungsland, dessen Hauptbodenschatz Erdöl ist: 54%
  • in einem Entwicklungsland, dessen Wirtschaft nicht von Rohstoffexporten abhängig ist: 0.5%

Insofern kann man eigentlich nur hoffen, daß das Öl möglichst rasch zur Neige geht, damit der „Fluch“ über diesen Ländern gebrochen wird. Und auch dieser Zeit nach dem Öl widmet das Buch einen Teil. Hier werden Alternativen zum Öl aufgezeigt: Biodiesel, Wasserstoff, hybride Antriebsvarianten, usw. Aus meiner Sicht patzt das Buch hier leider, indem es zum einen ein viel zu rosiges Bild vom Stand der Technologie und ihrer Akzeptanz zeichnet, dabei aber umgekehrt die intensive Lobbyarbeit die von der Ölindustrie dagegen gemacht wird, komplett ausblendet. Letzteres ist z.B. in dem Dokumentarfilm „Who Killed the Electric Car?“ (USA 2007) zu sehen.

Nichtsdestotrotz eine klare Leseempfehlung von meiner Seite! Eine Leseprobe gibts hier

2 Antworten zu „Buchempfehlung: „Schwarzbuch Öl““

  1. Carsten sagt:

    Bezüglich Deines letzten Punkts kann ich auch „Energieautonomie: Eine neue Politik für erneuerbare Energien“ von Hermann Scheer sehr empfehlen (http://www.amazon.de/Energieautonomie-Eine-Politik-erneuerbare-Energien/dp/3888973902). In diesem Buch werden nicht nur hervorragend die Möglichkeiten einer globalen nachhaltigen Energiewirtschaft beleuchtet, sondern auch intensiv vor einem Rückfall in die alten Strukturen gewarnt, solange bestimmte strukturelle wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen vorherrschen.

  2. hjschulz sagt:

    Nachtrag: Hier ist noch ein aktueller Bericht, der auch den Gaza-Konflikt und den Einmarsch, den wir im Moment miterleben, in den Kontext der Bodenschätze stellt: http://www.hintergrund.de/content/view/340/66/

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